New Order -Brotherhood (LP)

Dienstags stelle ich ein Stück aus meiner Tonträgersammlung vor, das mir Discogs zufällig ausgewählt hat, dafür gibt es dort einen Button.

New Order haben nach ihrer Transformation von Joy Division einen ordentlichen Spannungsbogen gespannt. Vom Debütalbum „Movement“, das 1981 noch im düsteren Schatten von Joy Division (ent-)stand, über den überraschenden Erfolg von „Blue Monday“ und das Album „Power, Corruption & Lies“ (1983), mit denen sie die Düsternis ablegten und sich als Pioniere der elektronischen Tanzmusik zeigten, und „Low-Life“ (1985), das endgültig die Gothic- und Darkwave-Szene mit der aufkommenden Clubkultur verband, bis zu dem Album, um das es heute gehen soll: „Brotherhood“ aus dem Jahre 1986.

Für mich ist „Brotherhood“ ein besonderes Album, zunächst ist es für mich der Prototyp eines New Order-Albums, gleichzeitig war es vor 40 Jahren mein erstes New Order-Album und ich habe es damals sehr geliebt und oft gehört. Es betont die Vielfalt der Band und das auf ganz besondere Weise. Drummer Stephen Morris wird in der englischen Wikipedia zitiert, das Album „was kind of done in a schizophrenic mood that we were trying to do one side synthesizers and one side guitars“, was er in der Nachbetrachtung für nicht gelungen hält. Ganz im Gegensatz zu mir, denn die Reihenfolge der Songs war für mich nie ausschlaggebend. Tatsächlich hören wir auf der A-Seite mit den Songs „Paradise“, „Weirdo“, „As It Is When It Was“, „Broken Promise“ und „Way Of Life“ hauptsächlich Bernard Sumners und Gillian Gilberts Gitarren sowie Peter Hooks prägnanten Bass mit Stephan Morris‘ echtem Schlagzeug. Die Lieder bewegen sich zwischen Post-Punk und Gitarren-Wave.

Die B-Seite wird stilecht mit „Bizarre Love Triangle“ eröffnet, das nur mit Synthesizern und Sequenzern erstellt wurde, mit Ausnahme von Gesang und Bassmelodie. „Bizarre Love Triangle“ wurde als Single veröffentlicht und war recht erfolgreich. „All Day Long“ ist ebenso ein Meisterwerk, mit klassischen Elementen, die von Richard Wagner entliehen wurden. „Angel Dust“ ist ein tanzbarer Synth-Pop-Song, der mit einem melancholischen Gesang kombiniert wird. Auch hier dominieren Synths und Sequenzer. „Every Little Counts“ zum Abschluss ist ein weiterer besonderer Song, hauptsächlich wegen Bernhard Sumners Gesang, der hier fast ein Sprechgesang ist und mehrfach durch Lachanfälle des Sängers unterbrochen wird. Musikalisch ist es ein ruhiges Lied, das durch die Kombination aus Bass-Lauf, cleane Gitarre und Synthesizer getragen wird. Am Ende hören wir, wie eine Plattennadel über die Schallplatte rutscht und kurz ein ganz anderes Lied spielt. Zusammen mit dem Video zu „Touched By The Hand Of God“ ist „Every Little Counts“ der humorvollste New Order-Moment.

„Brotherhood“ empfinde ich als das herausragende Album von New Order, weil es die Post-Punk-Seite der Band mit der elektronischen Seite verbindet, und das ja sogar nach A- und B-Seite unterteilt. Mich interessiert, ob andere New Order-Fans das genauso sehen oder ob „Power, Corruption & Lies“, Low-Life“ oder eines der späteren Alben höher eingeschätzt werden.

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