Laptop mit geöffneter Streaming-Programm, eine LED-Lampe in Fledermausform, dahinter ein gläserner Schneeball und ein gläserner Totenschädel von Kosta Boda (Teelichthalter) sowei daneben eine Stabkerze. Im Vordergrund sind noch eine Computermaus und ein Mousepad zu sehen.

Heute gibt wieder mal einen Nachhall des letzten GothDiscoInfernos, denn ein Song hat eine bemerkenswerte Entstehungsgeschichte, die ich beim Livestream schon im Chat erzählt habe und die ich nun hier nochmal für alle wiedergebe. Die Talking Heads gehören zu den Bands der Siebziger- und Achtziger-Jahre, die ich leider nicht intensiv verfolgt habe, was vielleicht daran liegt, dass sie aus Amerika kommen und ich mich damals hauptsächlich mit der britische Szene beschäftigt habe. Natürlich kenne ich ihre Hits wie „Burning Down The House“, „Road To Nowhere“ und „Psycho Killer“, ich besitze aber bis heute keinen Tonträger von ihnen. Goth sei Dank kann heutzutage vieles noch nachgeholt werden. Zum Beispiel die Geschichte um „The Overload“, dem letzten Song aus ihrem vierten Album „Remain In Light“ von 1980.

Die Talking Heads gründeten sich 1975 in New York. David Byrne (Gesang, Gitarre), Tina Weymouth (Bass) und Chris Frantz (Drums) hatten sich im Kunststudium kennengelernt. 1977 stieß der Keyboarder Jerry Harrison hinzu, der vorher bei Jonathan Richman & The Modern Lovers spielte. Ihr Debütalbum aus dem selben Jahr wurde einfach „77“ betitelt und enthielt „Psycho Killer“, wurde damals allerdings nicht sehr beachtet. Ab 1978 arbeiteten die Talking Heads mit Brian Eno zusammen, der als Produzent, Musiker und Songwriter fungierte. Mit ihm enstanden die Alben „More Songs About Buildings and Food“ (1978), „Fear of Music“ (1979) und „Remain In Light“ (1980), womit wir wieder beim Thema wären. Bekanntester Song auf „Remain In Light“ ist sicherlich „Once In A Lifetime“, das bemerkenswerteste Werk ist allerdings „The Overload“. Dieses Lied soll nämlich aus der Idee heraus entstanden sein, etwas im Stil von Joy Division zu schreiben. Nur hatte keiner der Beteiligten bis dahin deren Musik gehört. Sie sollen sich nur auf Berichte in Zeitschriften berufen haben. Wenn ich das Ergebnis höre, kann ich das kaum glauben, denn es trifft den Kern sehr gut. Es ist ein düsteres, schleppendes Lied, das am ehesten an „I Remember Nothing“ vom Album „Unknown Pleasures“ (1979) erinnert. Sogar Stimmlage und Gesangsstil von David Byrne kommen Ian Curtis recht nah.

Die englische Wikipedia hat den Absatz über „The Overload“ allerdings wieder entfernt, da die einzige bekannte Quelle das Buch „Fa Fa Fa Fa Fa Fa: The Adventures of Talking Heads in the 20th Century“ von David Bowman aus dem Jahr 2001 war. Auch bei Reddit gibt es kritische Stimmen. Vielleicht ist es doch nur ein Hoax? Bitte macht euch selbst ein akustisches Bild bei eurem bevorzugten Streaminganbieter und schreibt in die Kommentare, was ihr davon haltet.

Das Album „Remain In Light“ wurde übrigens erst nach dem Tod von Ian Curtis (18.05.1980) und damit dem Ende von Joy Division aufgenommen und am 08.10.1980 veröffentlicht. An dem Album waren auch Gitarrist Adrian Belew (King Crimson, Frank Zappa, David Bowie u. a.) sowie (Fuck*) Robert Palmer (Percussions) beteiligt.

* Das ist eine andere Geschichte.

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