Am Dienstag habe ich etwas über die „deutschen Smiths“ geschrieben, heute sind die „deutschen Cure“ dran, denn Klez.e veröffentlichen morgen ihr neues Album „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“. Wer die CD bestellt hat, konnte sie schon letzte Woche in Händen halten, so wie ich. Und ich habe schon bei Mastodon kommentiert, dass es das beste Cure-Album des Jahres ist.
Wie es dazu kam, habe ich vor kurzem in einem Podcast mit Tobias Siebert, Sänger und Gitarrist bei Klez.e, gehört. Weil Robert Smith & Co. viele Jahre kein neues Album mehr veröffentlicht hatten, dachten Klez.e, sie machen jetzt einfach ihre eigene Cure-Platte. Das Ergebnis war 2017 das Album „Desintegration“. Ja, sogar den Albumtitel haben sie bei The Cure geliehen. 2024 folgte „Erregung“. Das musikalische Konzept haben sie bis heute beibehalten, düstere Bariton-Gitarre, schwermütige Synthies (von Daniel Moheit, der auch Bass spielt) und schleppende Drums (von Filip Pampuch), ganz im Stile der großen Vorbilder. Das nehme ich Klez.e vollkommen ab, es ist kein stumpfes Abkupfern oder billiges Kopieren, sondern ich spüre, dass sie es absolut lieben, dass sie The Cure (ver)ehren. Die Texte beschäftigen sich mit melancholischen und politischen Themen, was ja in der heutigen Zeit durchaus zu verbinden ist.
Die ersten Auskopplungen vom neuen Album, „Hymnus“, „Melancholia“ und „Call It Love“, alle bereits bei Bandcamp zu bekommen, sind schon superschön und das Album hält noch mehr bereit. Bei mir hat sich nach den ersten Hördurchgängen „La Boum“ als erster Favorit herauskristalisiert, aus dem Lied stammt auch der Albumtitel „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“. Es ist ein packendes, ruhiges Liebeslied, wie es auch Robert für seine Mary hätte schreiben können, aber nicht hat. Alle anderen Songs sind aber auch grandios.
Was bei allen Parallelen zu The Cure für Klez.e spricht, ist der Gesang von Tobias Siebert, der nicht nach Robert Smith klingt, sondern wie Tobias . Er präsentiert seine ansprechende Lyrik mit viel Leidenschaft und Gefühl. Damit sorgt er dafür, dass doch eine Eigenständigkeit entsteht.
Im oben verlinkten Podcast gibt Tobias Einblicke in seinen Werdegang und seine musikalischen Vorlieben, die neben The Cure auch Dead Can Dance, Portishead und Radiohead umfassen. Er erzählt auch von seiner Tätigkeit als Producer u. a. für Phillip Boa & The Voodooclub und Juli und vom Umbau seines Resthofes, der auch sein Tonstudio beherbergt. Interessant ist auch sein Engagement bei Alles Schwarz, einem neuen Projekt mit u. a. Oswald Henke und Luci van Org, das beim WGT am 23.05.2026 Premiere feierte.
Mir gefällt Klez.e sehr gut, obwohl oder vielleicht gerade weil ich ein großer Cure-Fan bin. Klez.e klingen so, wie ich mir The Cure wünsche und es wird in jedem Takt deutlich, dass die letzten drei Alben mehr eine Hommage als eine bloße Trittbrettfahrt sind.
Klez.e gehen ab Mitte September auf ihre „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“-Tour:
17.09.26 Boock, Rindi
18.09.26 Göttingen, Exil
19.09.26 Essen, Grend
20.09.26 Köln, Artheater
22.09.26 Leipzig, Moritzbastei
23.09.26 Hannover, Lux
24.09.26 Hamburg, Hafenklang
25.09.26 Bremen, Lila Eule
26.09.26 Chemnitz, Weltecho
27.09.26 Berlin, Frannz
29.09.26 Dresden, Ostpol
30.09.26 Nürnberg, Club Stereo
01.10.26 Mainz, Schon Schön
02.10.26 Jena, Trafo
03.10.26 München, Milla
