Ein Blick zurück auf das Gothdiscoinferno #109 vom letzten Freitag. Er fällt auf drei deutsche Bands und Projekte, die noch relativ neu sind: CVSY und Kobalin aus Hamburg sowie Latex aus Darmstadt.
CVSY (Hamburg)
Hinter dem Projektnamen CVSY (gesprochen „seeveesee“) verbirgt sich eine bekannte und häufige GothDiscoInferno-Gästin, Anna Nin aus Hamburg, bisher als Glaring bekannt für elektronisch betriebenen, atmosphärischen Post-Punk aka SynthWave und Coldwave. Mit CVSY verlässt sie den gewohnten Pfad nicht. Sie verwendet weiterhin verschiedene analoge Synthesizer, worauf auch der Titel ihres Debütalbums „Selected Analog Winter Trax“ anspielt. Auch finden sich die Instrumente teilweise in den Songtiteln wieder, wie z. B. bei „808 Kältetod“, was auf die Drum-Machine Roland TR-808 anspielt oder bei „PF3DR55MS20“, der sich aus dem Polyvox PF‑3 Synthesizer, dem Drum-Computer Roland DR-55 sowie dem Korg MS-20 Synthesizer zusammensetzt.
Ich habe Anna gefragt, wie es mit ihren beiden Projekten weitergeht. Sie hat ein neues Album von Glaring angekündigt, das sie bereits im letzten Jahr aufgenommen hat. Einige Kollaborationen, zu denen sie sich nicht näher geäußert hat, kündigte sich auch an. In Zukunft will sie eher bei CVSY bleiben, wollte sich allerdings nicht endgültig festlegen. Ich finde ihre Musik grundsätzlich großartig und da CVSY und Glaring dabei keine großen Unterschiede aufweisen, ist der Name doch eigentlich zweitrangig. Ich freue mich auf das neue Glaring-Album und die weiteren Veröffentlichungen von Anna Nin.
Kobalin (Hamburg)
Eine weitere in GothDiscoInferno-Kreisen gut bekannte Künstlerin aus Hamburg ist Laura Müller. Sie ist die Sängerin der Band Grundeis und hat das Soloprojekt Undinyx, mit dem sie auch schon ein gemeinsames Lied mit Glaring herausgebracht hat (Kali’s Return, das von ihrer entlaufenen und wiedergekehrten Katze handelt). Im letzten Jahr hat sich Laura aufgemacht, unter dem Namen Kobalin Musik zu machen, die heute „Neue neue deutsche Welle“ genannt wird, einfach ausgedrückt Post-Punk mit deutschen Texten. Das Blog Spontis hat darüber bereits 2024 berichtet und einige Vertreter aufgelistet. Kobalin reiht sich da sehr gut ein, Lauras Gesang wirkt auch mit deutschen Texten (bei Grundeis singt sie auf Englisch).
Bisher hat sie zwei Lieder veröffentlicht, „Tief Fallen“ am 10.12.2925 und „Blei“ am 20.02.2026. Das Debüt fand ich schon sehr gut und „Blei“ hat mich dann endgültig davon überzeugt, dass Laura mit Kobalin eine Bereicherung meiner Musiksammlung ist. Um aus dem Text von „Blei“ zu zitieren: „Soll das alles sein?“ Ich hoffe nicht!
Latex (Darmstadt)
Bei Latex aus Darmstadt ließ mich ihre letzte Veröffentlichung „Ich verbrenne mich“ (VÖ: 13.02.2026) aufhorchen, die ich in einem Instagram-Reel der Band gehört habe. Das Duo besteht aus Johanna Amberg (Gesang, Bass) und Robin Lexow (Gitarre, Synths) und wurde 2022 gegründet. Seit dem haben sie einige Songs veröffentlicht, ein Album wird in Kürze erscheinen. Den Anfang machte 2024 eine selbstbetitelte EP mit den beiden Songs „Hypnotized“ und „Infectious“, die via Bandcamp auch als Kassette erhältlich ist. 2025 folgte dann eine Four-Track-EP, ebenfalls als Kassette zu erwerben. Bis dahin waren die Texte in Englisch verfasst, „Ich verbrenne mich“ ist das erste deutsche Lied.
Latex liefern Post-Punk mit Dark- und Gitarren-Wave-Anteilen. Die Stimme von Johanna Amberg erinnert von Farbe und Stil zeitweise an Anja Huwe (Xmal Deutschland) oder Andrea Mothes (Nichts), wie es auch Post-Punk.com herausgehört hat. Ich werde auf jeden Fall in nächster Zeit noch mehr Songs von ihnen im GothDiscoInferno spielen und bin sehr gespannt auf das kommende Album „Silk“.
