Ein AKN-Zug "Lint 54" in blau, weiß und rot steht an der Haltestelle Kaltenkirchen-Süd.

Was ich vor über zwei Jahren zur Preiserhöhung des Deutschlandtickets schrieb, ist weiterhin aktuell. Denn gestern wurde im Bundestag über dessen Preisgestaltung ab 01.01.2027 entschieden. Surprise: Billiger wird’s nicht. Das 2022 als 9-Euro-Ticket gestartete Deutschlandticket kostet im nächsten Jahr 66,80 € statt wie bisher 64 €. Ich habe mein Abo schon zum 31.12.2024 gekündigt bzw. der Preiserhöhung auf seinerzeit 58 € nicht zugestimmt und wurde daher gekündigt. 49 € war ein Preis, der mir nicht wehtat, auch wenn ich in den wenigsten Monat tatsächlich so viel Bahn gefahren bin, dass ich im Vergleich zum Kauf von Einzel- oder Tagestickets gespart hätte.

In meinem Alltag kann ich alle Wege mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen. Ein Auto besitze ich nicht, auch wenn das ab und zu mal ganz angenehm wäre. Für weitere Strecken kann ich die AKN nutzen, damit komme ich nach Hamburg und über Neumünster z. B. nach Kiel, Schleswig, Husum oder Flensburg. Derzeit ist die direkte Anbindung meines Wohnortes an die Hamburger S-Bahn im Bau, Ende 2028 soll die Strecke fertig sein. Aktuell muss ich noch in Hamburg-Eidelstedt in die S-Bahn umsteigen oder in Norderstedt-Mitte in die U-Bahn. Auch das wird künftig teurer werden, der HVV wird die online gekauften Tickets ab 01.01.2027 nicht mehr rabattieren. Zur Zeit zahle ich über die HVV-App für ein Tagesticket (3 Ringe) 13,02 € statt 14 € am Fahrscheinautomaten. Dafür komme ich zu einem Date mit Dark*:*Star auf der Reeperbahn.

Dass auf der anderen Seite ein weiterer Tankrabatt eingeführt wurde, halte ich für ein fatales Signal. Sicherlich ist es für Autofahrys sehr viel teurer geworden, ihr Gefährt zu bewegen, da wir gesellschaftlich allerdings in absehbarer Zeit von den Verbrennungsmotoren weg kommen müssen, wäre ein Anreiz, auf E-Fahrzeuge und öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, die bessere Lösung gewesen. Dazu hätte meiner Meinung nach neben weiteren Kaufprämien für E-Autos auch die Rückkehr zu einem Deutschlandticket unter 49 € geführt. Oder es wird endlich mal über die Einführung des fahrscheinlose ÖPNV nachgedacht, wie es neben der Piratenpartei auch die Kieler Landtagsabgeordnete Nelly Waldeck (Bündnis 90/Die Grünen) fordert.

Die taz hat berechnet, dass der Tankrabatt für 3 Monate Steuereinbußen von 2,5 Milliarden € bedeutet. Ein Verzicht auf die Preiserhöhung des Deutschlandtickets hätte dagegen nur 627 Millionen € gekostet – für ein Jahr. Und es ist ja nicht mal sicher, dass die Spritpreise tatsächlich sinken werden. Zwar wird die Steuerlast je Liter um 0,17 € gesenkt, eine gesetzliche Verpflichtung, die Steuersenkung Cent für Cent an die Kunden weiterzugeben, gibt es allerdings nicht, wie das Abendblatt (€) berichtet. Übergewinnsteuer, anyone?

Mein Fazit: Ein falsches Signal, dass ein „weiter so!“ bei der privaten Automobilisierung bedeutet. Es fehlen Anreize für den Umstieg auf E-Mobilität und ÖPNV. Das ist nicht gut für die Umwelt, die Menschys und auch die Autobauer kommen so nicht vom Verbrenner los. Die Politik muss endlich dafür sorgen, dass weniger, bestenfalls keine, Menschys auf das eigene Auto angewiesen sind. Das erfordert nicht nur ein Umdenken der Politik, sondern der gesamten Gesellschaft.

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Bauhaus ist eine Band, kein Baumarkt.

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5 Kommentare zu “Bahnfahren wird wieder teurer, aber hey, Tankrabatt!”

  1. @bauhausmensch Ich stimme dir zu, ich halte das Signal ebenfalls für fatal und weiß noch nicht mal ob unseren tollen Politiker das überhaupt checken.

    Aber selbst wenn das D-Ticket kostenlos wäre, müsste ich meistens mit dem Auto pendeln, weil die Züge der #DB ständig ausfallen oder massiv zu spät sind. Noch dazu ist es generell keine Wonne ÖPNV zu fahren. Unsicherheitsgefühl kommt dazu.

    • Ja, die Situation im ÖPNV muss natürlich verbessert werden, einmal im Bestand und auch bei der weiteren Erschließung.

      Es könnte auch politisch gewollt sei, dass es keine brauchbare Alternative zum eigenen PKW gibt. Das muss sich ändern.

  2. @bauhausmensch Eine Rückkehr zu einem günstigeren Preis habe ich nicht mal erwartet. Aber wenigstens ein Halten des Preises wäre doch das Mindeste gewesen.

  3. @bauhausmensch Eine Rückkehr zu einem günstigeren Preis habe ich nicht mal erwartet. Aber wenigstens ein Halten des Preises wäre doch das Mindeste gewesen.

  4. Die Rechnung ist erfreulich übersichtlich: Für drei Monate Tankrabatt waren 2,5 Milliarden Euro verfügbar, für ein Jahr stabiles Deutschlandticket sind 627 Millionen offenbar eine Herausforderung.

    Das ist konsequent. Wer Auto fährt, bekommt Entlastung an der Zapfsäule. Wer Bahn fährt, bekommt eine Preissteigerung und darf sich dabei immerhin klimafreundlich fühlen.

    Verkehrswende ist offenbar, wenn nur der Preis die Richtung wechselt. 🦌

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