Joy Division - Untitled Bootleg EP

Trotz ihrer kurzen Schaffenszeit, die vor über 45 Jahren mit dem Selbstmord von Ian Curtis am 18.05.1980 endete, haben Joy Division tiefe Spuren hinterlassen und beinflussen noch heute das Post-Punk-Genre. Vielleicht haben sie dieses Genre auch begründet, denn selbst inspiriert von einem Konzert der Sex Pistols beschlossen Bernhard Sumner (Gitarre) und Peter Hook (Bass), beide damals 20 Jahre alt, eine Band zu gründen. Mit dem gleichaltrigen Ian Curtis fanden sie einen Sänger. Sie nannten sich zunächst „Stiff Kittens“, der Name wurde ihnen von Pete Shelley (Buzzcocks) vorgeschlagen.

Mit den Buzzcocks hatten sie auch ihren ersten Auftritt am 28.05.1977 im Electric Ballroom in ihrer Heimatstadt Manchester. Kurz vor dem Gig änderten sie den Bandnamen in „Warsaw“, nach dem Lied „Warszawa“ vom David Bowie-Album „Low“. Sie wollten nicht „the Irgendwas“ genannt werden. Leider war es nicht mehr möglich, die Namensänderung auf den Plakaten und Flyern anzupassen, so dass dort noch „Stiff Kittens“ angekündigt wurden. Dies soll das Verhältnis zu den Buzzcocks nachhaltig verschlechtert haben.

Erst nach diesem Konzert stieß Stephen Morris dazu, nachdem verschiedene Schlagzeuger ausprobiert wurden. In dieser endgültigen Besetzung ging Warsaw am 18.07.1977 in die Pennine Sound Studios in Oldham, um die ersten Demoaufnahmen zu machen, die später auf verschiedenen Bootlegs erschienen sind. Die ersten Songs, die offiziell veröffentlicht wurden, enstanden am 14.12.1977 ebenfalls in den Pennine Sound Studios. Die Single (01.06.1978) und die EP (10.10.1978) „An Ideal For Living“ wurden unter dem neuen Namen „Joy Division“ im Eigenvertrieb herausgebracht. Die erneute Namensänderung kam, um eine Verwechselung mit einer Punk-Band namens „Warsaw Pact“ zu vermeiden. Die Erstauflagen waren auf 1.000 (Single) bzw. 2.044 Einheiten (EP) limitiert, es existieren daher auch eine ganze Reihe von Bootlegs mit diesen Aufnahmen. Unter anderen der, den ich in meiner Sammlung habe und der als „SPECIAL LIMITED EDITION COLLECTORS ITEM“ betitelt ist. Er enthält außerdem zwei Aufnahmen von der „Unknown Pleasures“-Session vom April 1979 aus den Strawberry Studios in Manchester. Diese beiden Songs, „Auto-Suggestion“ und „From Safety To Where…?“, wurden im selben Jahr auf der Compilation „Earcom 2: Contradiction“ veröffentlicht sowie später auf dem Sampler „Substance“ (11.07.1980).

Der Bootleg hat keine Angaben über den Herausgeber, auch die Schallplattenetiketten sind nur einfarbig schwarz und rot ohne weitere Aufdrucke. Auf der „schwarzen Seite“ befinden sich die Lieder „Warsaw“, „No Love Lost“ (die beiden Lieder sind auf dem Cover vertauscht) und „Auto-Suggestion“. Auf der „roten Seite“ sind „From Safety To Where…?“, „Leaders Of Men“ sowie „Failures“ zu hören.

Die Lieder sind ein faszinierendes Stück Musikgeschichte, das den frühen Stil der Band zeigt, bevor sie zu ihrem späteren, charakteristischen Post-Punk-Sound fanden. Z. B. ist Peter Hooks Bass-Sound noch nicht so ausgereift und unverkennbar wie auf den späteren Alben und bei New Order, aber dennoch schon bemerkenswert. Noch ist er allerdings mehr rhythmisch als melodisch geprägt. Der Gesang von Ian Curtis, auch ein wesentliches Merkmal der Band ab dem Album „Unknown Pleasures“, ist hier rauer, punkiger und noch nicht so dunkel.

Joy Division ist neben The Cure und Siouxsie And The Banshees ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Post-Punk- und Gothic-Musik aus dem Punk heraus entwickelt und viele feine Facetten gebildet hat. Leider wurden JD durch den Tod ihres Sängers Ian Curtis nach nur zwei Alben – das zweite Album „Closer“ wurde 1980 posthum veröffentlicht – Geschichte und wir werden nie erfahren, was passiert wäre, wenn es New Order nicht gegeben hätte. Allerdings möchte ich die auch nicht missen.

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