Drei Plakate der PRÜF-Demo: Rechts ein Plakat mit einem Fussball und der Unterschift "2000-mal gepfüft", in der Mitte ein Plakat mit eine Rolle Klopapier und der Unterschrift "35-mal geprüft" und linke ein Plakat mit der Aufschrift "Rechtsextreme Partei" und der Unterschrift "0-mal geprüft".

Am letzten Samstag konnte ich in Hamburg am Jungfernstieg meine erste PRÜF-Demo besuchen und es war wunderbar. Das Wetter spielte mit, wir waren 5.000 Menschen (lt. Veranstalter) und es waren alle Generationen vertreten, von Kindern und Jugendlichen bis zu den Omas gegen Rechts. Moderiert wurde die Veranstaltung von Comedienne Ana Lucía, die u. a. auch schon bei FunFacts und in der Anstalt zu sehen war. Sie hat bei allem Humor auch viele interessante Infos gebracht, zum Grundgesetz im Allgemeinen und zum Prüfverfahren im Besonderen. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgten die Singer-Songwriterin Miss Allie sowie – und darüber habe ich mich besonders gefreut – Jan Plewka & Marco Schmedtje.

Jan Plewka wurde in den 1990er Jahren (ist das schon so lange her?) mit der Hamburger Band Selig bekannt mit Liedern wie „Sie hat geschrien“, „Ohne dich“, „Ist es wichtig?“ und „Wir werden uns wiedersehen“. Nach diesem Motto trennte sich die Band 1999 und fand 2008 wieder zusammen. In der Zwischenzeit war Plewka u. a. mit „Jan Plewka singt Rio Reiser“ auf Tour, weshalb ich nicht überrascht war, dass er schon zum Soundcheck „Mein Name ist Mensch“ von Rio Reisers Band Ton Steine Scherben spielte. Im Progamm hatten Plewka & Schmedtje außerdem noch „Keine Macht für Niemand“ von den Scherben und das von mir gar nicht gemochte „Freiheit“ von Westernhagen, das Plewka in „Prüfung“ umgetextet hatte. Von der Band TempEau, die Plewka 2003 mit Schauspieler Marek Harloff (Bass, Gesang) und dem Selig-Schlagzeuger Stephan Eggert gegründet hatte, spielten sie den Song „Mädchen aus Greifswald“ von 2006, das von einer jungen Frau handelt, die sich in der rechten Szene bewegt und versucht, Jugendliche für diese Ideologie zu gewinnen. Plewka sagte in der Anmoderation, heute würde er das Lied „Mädchen von TikTok“ nennen. Zum Abschluss spielten sie noch „Wonderful Life“ von Black, ein Lied, mit dem ich auch aufgewachsen bin. Alles in allem war es eine schöne Show, bei der das Publikum auch bereitwillig mitmachte.

Miss Allie macht Lieder, deren Texte stufenlos zwischen humorvoll und sietiefgründig wechseln. Ich erinnere mich nur noch an „Bye Bye“, „Augenringe“, „Chinchilla“ und „Europa“, das sogar einen Eintrag in der Wikipedia hat. Über dieses Lied schrieb die Künstlerin bei Facebook:

In diesem Song geht es um die Herausforderungen unserer Zeit – den Ruf nach einem Europa, das sich nicht von alten, zerstörerischen Ideen leiten lässt. Es ist ein Appell für Frieden, Vielfalt und ein Europa, das mehr ist als nur eine politische Einheit – es ist ein Zuhause für alle. „Europa, Europa, hörst du den Wind?“ – Die Geschichte wiederholt sich, aber es liegt an uns, wie sie weitergeht. Ich hoffe, dieser Song regt euch an, über die Zukunft nachzudenken und gemeinsam für ein besseres Miteinander zu stehen.

Auch Miss Allie hat mich gut unterhalten, bevor es dann auf die Straße ging, wo auch noch gesungen wurde, z. B. die Antifa-Klassiker „Siamo Tutti Antifascisti“ und „Alerta! Alerta! Antifascista!“.

Die PRÜF-Demos finden an jedem 2. Samstag im Monat in mittlerweile 13 Städten statt. Die Demo in Hamburg war einwandfrei organisiert, es gab ausreichend OrdnerInnen, einen geschützen Bereich direkt vor der Bühne mit Steckdosen für Rollstühle und Gebärdendolmetscherinnen. Auch der Demo-Zug war reibunglos und unterhaltsam.

Übrigens findet am 23.05.2026 in Hamburg, Kiel und München die Demo „Menschenwürde verteidigen!“ der Initiative AfD Verbot Jetzt! statt.

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